Consul General
Julius Shulman Retrospective Exhibition
Generalkonsul Eric Nelson
München, 11. Januar 2007
Es gilt das gesprochene Wort.
Es war einmal ein junger Mann. Der schlenderte auf dem Universitätsgelände umher und knipste mit seiner billigen Kamera einfach drauf los. Hier ein Gebäude, da einen Platz. Mit einem seiner Fotos gewann er einen Preis.
Da dachte er: Ich werde Fotograf. Ich werde berühmt.
Er wurde nicht Fotograf. Er wurde nicht berühmt.
Er wurde Diplomat und steht heute als amerikanischer Generalkonsul vor Ihnen.
Es war einmal ein anderer junger Mann. Auch er fotografierte Gebäude und Plätze mit seiner billigen Kamera. Auch er gewann einen Preis.
Er dachte nicht im Traum daran, ein berühmter Fotograf zu werden.
Er wurde einer der berühmtesten Architekturfotografen unserer Zeit.
Verehrter Herr Hoffmann, liebe Frau Gräwe, meine Damen und Herren:
Ein neues Jahr mit einer solchen Veranstaltung zu beginnen, macht mir natürlich besonderen Spaß. Architektur und Fotografie spielen in meinem Leben eine ganz spezielle Rolle, auch wenn mein beruflicher Werdegang anders verlief.
Mit großem Vergnügen haben wir diese einmalige Shulman-Retrospektive des Deutschen Architektur Museums nach München geholt. Die Architektenkammer und das Haus der Architektur waren uns dabei tatkräftige Partner. Wir sind Ihnen, Herr Hoffmann, Ihnen, Herr Heiss, und Ihnen, Frau Knoblauch, sehr dankbar dafür.
München hat sich in den letzten Jahren mit Architekturausstellungen und -sammlungen einen ganz besonderen Namen gemacht. Speziell die Pinakothek der Moderne besitzt eine herausragende Sammlung für Architekturfotografie.
Die Architekturfotografie ist eine noch vergleichsweise junge Kunstgattung. Doch bereits in den vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts waren die Fotografien von Julius Shulman in München bekannt. Der Münchner Callwey Verlag zeigte schon damals in seiner Architekturzeitschrift „Baumeister“ faszinierende Fotografien von Julius Shulman. So ist es nur recht und billig, wenn Shulmans einzigartiges Lebenswerk jetzt wieder hier in München ausgestellt ist, bevor es endgültig in die Getty-Sammlung in Los Angeles wandert.
Amerikanische Architektur ist in den Köpfen vieler Menschen gleichbedeutend mit Malls und eintönigen Wohnsiedlungen.
Amerikanische Architektur ist aber auch urbane Eleganz moderner Wohnarchitektur.
Shulman versteht es meisterhaft, diese urbane Eleganz in atmosphärisch dichte Bilder umzusetzen. Davon können sich die Besucher dieser Ausstellung überzeugen.
Ich bin sicher, wir können mit gemeinsamen Projekten dieser Art Klischees abbauen und so einen wichtigen Beitrag zum transatlantischen Dialog leisten. Weitere Kulturprogramme dieser Art sind uns höchst willkommen. Ansprechpartner dafür im amerikanischen Generalkonsulat ist Patricia Guy, die mich heute hierher begleitet hat.
Der Mann, der nicht im Traum daran dachte, Fotograf zu werden, hat uns Bilder von zeitloser Schönheit – unvergängliche Kunstwerke – geschenkt. Er selbst sah sich jedoch nie als Künstler, sondern als Geschäftsmann, der, wie er selbst sagt, „mehr Architektur verkauft hat als die Architekten selbst.“
Julius Shulman ist heute 96 Jahre alt. Sein Credo ist: "My love for people and architecture and the potential of good architecture to literally save humanity keeps me going.” Wir wünschen uns alle, dass dieser außergewöhnlich kreative Künstler noch lange Fotografen und Architekten – vor allem aber die Bauherren - inspiriert.
Ich freue mich jetzt auf eine fachkundige Einführung in Shulmans Lebenswerk von Ihnen, Frau Gräwe.
Ich danke Ihnen.


