Consul General
„Entdecke das Ausland“
Generalkonsul Eric Nelson
München, 30. Januar 2007
Es gilt das gesprochene Wort.
Alle Amerikaner tragen Cowboyhüte.
Alle Deutschen tragen Lederhosen.
Alle Amerikaner essen fast food.
Alle Deutschen essen Sauerkraut.
Alle Amerikaner lieben Klimaanlagen.
Alle Deutschen lieben Kuckucksuhren.
Liebe Gäste,
Sie alle haben diese Klischees schon hundertmal gehört. Je nach Gemütslage haben Sie genervt oder gelassen darauf reagiert.
Viele Menschen lieben ihre Vorurteile. Sind Klischees doch oft das Einzige, was diese Menschen von einem Land wissen.
Sie alle hier wollen es nicht dabei belassen.
Sie sind in das Amerika Haus gekommen, weil Sie neugierig auf die USA und Kanada sind.
Sie wollen Amerika bereisen, seinen Menschen begegnen, seine Seele begreifen.
Sie wollen sich ihr eigenes Bild von einem vertrauten, aber doch unbekannten Land machen.
Einige ihrer Vorurteile werden sich bestätigen.
Einige werden sich relativieren.
Einige werden sich als haltlos erweisen.
Zunächst einmal werden Sie bei einem USA-Aufenthalt ganz viel über sich selbst erfahren. Sie lassen Freunde und Familie zurück.
Ganz plötzlich sind Sie ganz auf sich gestellt. Sie beweisen mit diesem Schritt Mut und Entschlossenheit.
Ihr Adrenalinspiegel ist eindeutig erhöht.
Ganz plötzlich sind Sie der Ausländer.
Der O-ton der Amis klingt anders als das Englisch in der Schule.
Es gibt keine Untertitel wie bei MTV oder Viva.
Ihr Adrenalinspiegel steigt weiter.
Ganz plötzlich müssen Sie viele Fragen über Deutschland beantworten. Sie müssen viele Klischees über Ihr Heimatland entkräften.
Auf einmal werden Sie ganz patriotisch.
Ihr Adrenalinspiegel ist auf dem Höchststand.
Ganz plötzlich macht es Ihnen aber auch Spaß.
Sie lernen den amerikanischen Alltag kennen.
Sie entdecken Ihre Einsatzbereitschaft, Ihre Flexibilität, Ihre Aufgeschlossenheit. Sie gewinnen neue Freunde, aber auch neue Einsichten.
Sie sehen Amerika, die ganze Welt, aber auch sich selbst mit anderen Augen. Genau diese Erfahrung habe ich als Austauschstudent in Deutschland gemacht.
Viele meinen, dass in unserer globalisierten Welt der emails und podcasts ein Auslandsaufenthalt überholt sei.
Das Gegenteil ist der Fall.
Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice betont, wie wichtig das direkte Kennenlernen anderer Kulturen ist: “…When you can look a person in the eye as you have a conversation, when you can see the people… of foreign countries firsthand, you gain a sense of intimacy and knowledge that does not just come from a phone call or in an email… It breaks down stereotypes and makes people quicker to listen and slower to judge.”
Wir wünschen uns, dass recht viele junge Leute unser Land kennen lernen.
Sie sollen Vorurteile und Klischees abbauen.
Sie sollen zu Botschaftern der Völkerverständigung werden.
Ich bin besonders stolz, dass das US-Generalkonsulat in München letztes Jahr eine Visumabteilung für Nichteinwanderungsvisa eröffnet hat. Sie brauchen also nicht mehr nach Frankfurt zu fahren, sondern können hier in München Ihr Visum für die USA beantragen.
Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einen Rat mit auf den Weg geben:
Schreiben Sie Tagebuch.
Für diejenigen, die nicht mehr wissen, was ein Tagebuch ist, der gleiche Rat noch einmal auf Neudeutsch: Keep a blog.
Vielleicht schreiben Sie ja mal Ihre Memoiren und landen damit auf den Bestsellerlisten.
Vielleicht werden Sie ja einmal Generalkonsul und vertreten Ihr Land im Ausland.
Vielleicht verkaufen Sie ja einmal Lederhosen nach Amerika oder Cowboyhüte nach Deutschland.
In diesem Sinne: Discover America


