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CONSUL GENERAL
 

Mark Rothko Retrospective Opening Remarks
Generalkonsul Eric Nelson

München, 7. Februar 2008
Es gilt das gesprochene Wort

Rothko painting 

Es waren einmal zwei junge Streikbrecher.
Sie waren frisch verliebt.
Sie wollten gemeinsam eine Ausstellung genießen. 
Wegen eines Streiks standen sie jedoch vor verschlossenen Museumstüren.

Der junge Mann wollte seiner neuen Freundin imponieren.
Er redete, argumentierte, ließ nicht locker.
Schließlich gab der Museumswärter nach -- allerdings unter einer Bedingung:
Die beiden mussten erst den Müll einsammeln, der wegen des Streiks vor dem Museum liegen geblieben war.

Der Ort der Handlung war die Yale Art Gallery. 
Die Ausstellung, die die beiden unbedingt sehen wollten, war eine Mark Rothko-Ausstellung.
Die beiden Müllsammler waren - Bill und Hillary Clinton.

Mark Rothko ist ein Künstler, der „die Farbe zum Schwingen bringt“, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt.
Mark Rothko ist auch ein Künstler, der zu ungewöhnlichen Reaktionen inspiriert -- zum Müllsammeln beispielsweise.

Liebe Kunstfreunde, liebe Rothko-Junkies:
Was kann ein Diplomat wie ich von einem Künstler wie Mark Rothko lernen? Wir Diplomaten suchen immer nach dem besten Weg, eine Botschaft zu transportieren. Wie transportiert Mark Rothko seine Botschaft?
Er spielt mit Abstufungen und Nuancen.
Er variiert die Intensität seiner Aussage.
Er kommuniziert mit seinem Gegenüber.
Er macht aus Dialogpartnern Verbündete.
All das vermittelt Mark Rothko in seinen Bildern. All das versuche auch ich in meiner täglichen Arbeit. 
Auch die Diplomatie lebt von der Kommunikation mit dem Gegenüber.
Auch die Diplomatie ist eine Kunst der Nuancen.
Auch die Diplomatie will aus Dialogpartnern Verbündete machen. 
Die amerikanische Diplomatie setzt dabei ganz bewusst auf die Kunst als probates Mittel, Interesse für Amerika zu wecken und Verständnis zu fördern.  
Unsere Außenministerin Condoleezza Rice drückt es so aus:
„American diplomacy must tell the story of the American people – our commitment to freedom of expression, our embrace of diversity and our openness to the world. No one tells this story more vividly than America’s artists and their works…[American art]….plays a vital role in American foreign policy by promoting international understanding of American culture and values.”

Die Kunst bildet das Fundament, auf dem Verständnis und Freundschaft zwischen Völkern wachsen und gedeihen.  Wir schätzen die Kunst als kraftvolle, effektive Universalsprache über kulturelle und staatspolitische Grenzen hinweg. Deshalb hat das amerikanische Außenministerium im Jahr 1964 das „Art in Embassies“-Programm ins Leben gerufen. In über 180 US-Botschaften weltweit sind mehr als dreitausend Werke amerikanischer Künstler zu bewundern. Sie bilden sozusagen ein globales Museum, ein globales Netzwerk der nonverbalen Kommunikation. 
Diese Kunstwerke sind Leihgaben von Künstlern, von Privatpersonen oder von Museen.  Wir sind besonders stolz darauf, dass auch Bilder von Mark Rothko dabei sind.
Die Privat-Initiative „Friends of Art and Preservation in Embassies“ ergänzt dieses Kunstprogramm, das auch 90 Konsulate einschließt, mit Dauerleihgaben. So erhält beispielsweise unsere neue Botschaft in Berlin zur Eröffnung eine 13 Meter hohe Skulptur von Ellsworth Kelly.    
Diese beiden Initiativen verdeutlichen eine Maxime unserer Diplomatie: 
Kunst kann das kulturelle Erbe eines Landes am besten vermitteln. Kunst spricht die Menschen direkt an und dient so direkt dem kulturellen Austausch.
Austausch führt zu Toleranz und Verständnis. Dies zu erreichen, ist erklärtes Ziel jeder Diplomatie.


Liebe Gäste:
Ich freue mich ganz besonders, dass ich heute diese außergewöhnliche Ausstellung eröffnen darf. Tauchen Sie nun mit mir ein in das emotionale Erlebnis der magischen Bilder Mark Rothkos.
Eines müssen Sie dafür ganz bestimmt nicht:
Müll einsammeln.

 

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