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CONSUL GENERAL 

"45 Jahre Städtepartnerschaft Gunzenhausen-Frankenmuth"
Generalkonsul Eric Nelson

Gunzenhausen, 16. September 2007
Es gilt das gesprochene Wort

Liebe Freunde aus Franken, liebe Freunde Frankens, dear fellow citizens:

Ein Grußwort haben Sie sich von mir gewünscht.
Was steht laut Protokoll am Anfang jedes Grußworts? Die namentliche Erwähnung aller Ehrengäste. 

Damit habe ich heute ein Problem. Denn Sie alle hier sind heute für mich Ehrengäste. Wollte ich Sie alle namentlich erwähnen, wäre meine Redezeit vorbei.
Lieber möchte ich aber von den Taten berichten, die Ihnen allen, liebe Ehrengäste, zu höchster Ehre gereichen.

Es geschah am 11. September – an einem anderen 11. September.
Es war ein denkwürdiger Tag im Jahr 1956.
Der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower hatte  eine Konferenz einberufen. Sie legte den Grundstein für eine Bewegung, die Menschen in aller Welt näher zueinander bringen sollte. Damals war Globalisierung noch kein Modewort. Aber diese Idee der Begegnung von Menschen aus aller Welt hat sich im besten Sinne des Wortes zu einer globalen Bewegung gemausert. Und Sie, liebe Gunzenhäuser und Frankenmuther, waren von Anfang an dabei. Sie gehörten schon damals zur Riege der „global players.“
Der Gedanke von Städtepartnerschaften ist zu einer Erfolgsgeschichte ohnegleichen geworden. Inzwischen sind 2.500 Kommunen in 134 Ländern miteinander verbandelt.

At the opening of the People-to-People Conference on September 11, 1956, President Eisenhower said:
“If we are going to take advantage of the assumption that all people want peace, then the problem is for people to get together and to leap governments – if necessary to evade governments - to work out not one method but thousands of methods by which people can gradually learn a little bit more of each other.
The problems are: How do we dispel ignorance?  How do we present our own case?  How do we strengthen friendships? How do we learn of others?”  End quote.

Ich bin sicher: Damals haben in Frankenmuth und in Gunzenhausen schon ein paar Menschen aufmerksam gelauscht und sich gedacht:
Probleme? Wir haben Lösungen.

Im Jahr 1962 schließlich besiegelten Gunzenhausen und Frankenmuth ihre Beziehungen offiziell mit einem Partnerschaftsvertrag. Die Städtepartnerschaft kam damit so richtig in Schwung.
Mit dem sprichwörtlichen Mut der Franken auf beiden Seiten des großen Teichs organisierte man die ersten Besuche zwischen Gunzenhausen und Frankenmuth.
Bedenken Sie, liebe Gäste:
Im Jahr 1962 hatte der Kalte Krieg seinen Höhepunkt erreicht.
Im Jahr 1962 befürchtete die Welt angesichts der Kubakrise einen Atomkrieg.
Die Welt hielt den Atem an.
Die Gunzenhäuser und die Frankenmuther ließen sich nicht beirren.


Aus Besuchen wurden Begegnungen.
Aus Begegnungen wurden Freundschaften.
Aus Freundschaften wurden Partnerschaften.
Partnerschaften über Tausende von Kilometern hinweg.

Eine Fernbeziehung, meinen die Soziologen, hält meistens nicht lange.
Die Partner haben keinen gemeinsamen Alltag.
Die Partner können nicht gemeinsam feiern. 
Es gibt keine Kontinuität.
Deshalb sind die Probleme vorprogrammiert.

Probleme? Die Gunzenhäuser und die Frankenmuther haben Lösungen.
Klingt einfach aus dem fränkischen Mund - ist es aber nicht. Wir alle wissen, wie viel Detailarbeit und Einsatz notwendig sind, um eine Beziehung lebendig zu erhalten – 45 Jahre lebendig zu erhalten!
Was ist denn nun das Erfolgsrezept der Gunzenhäuser und der Frankenmuther?
Nun, sie haben genau dort gegengesteuert, wo es in einer  Fernbeziehung so oft zum Bruch kommt.


Problem: Kein gemeinsamer Alltag
Lösung: Ein aktives gegenseitiges Praktikantenprogramm schuf Abhilfe.
Problem: Keine gemeinsamen Feiern
Lösung: Da können die Franken und ihre amerikanischen Freunde nur lachen. Feiern sind sozusagen eine frankoamerikanische Spezialität, wie man hier heute sieht. Vom Oktoberfest in Frankenmuth ganz zu schweigen.
Problem: Keine Kontinuität.
Lösung: Da setzen die beiden Partnerstädte Gunzenhausen und Frankenmuth auf die verstärkte Einbindung der Jugend.

Städtepartnerschaften sind gelebte Demokratie.  Freundschaften zwischen Menschen in ganz verschiedenen Städten der Welt sind beispielhaft dafür, was wir im Englischen “citizen diplomacy” nennen. Die Diplomatie auf Regierungsebene ist eine Sache, das Verständnis von Mensch zu Mensch aber erfüllt sie erst mit Leben.

Why is citizen diplomacy so important?
The renowned American anthropologist Margaret Mead describes the impact of individuals as follows:
“Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world. Indeed, it is the only thing that ever does.”
Da mühen wir Diplomaten uns tagein tagaus ab - und Sie, meine Damen und Herren, bauen Vorurteile ab, schaffen Verständnis, verändern die Welt.

Meine Damen und Herren, Sie gefährden meinen Arbeitsplatz!

Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice betont, wie wichtig die Begegnung zwischen Menschen von Kontinent zu Kontinent ist:
„...the distance between here and there is getting smaller.  The time it takes people and ideas to traverse the globe is rapidly shrinking.  And the thoughts and actions of individuals carry more impact than ever.  And as a result, exchanges between peoples are as important as exchanges between diplomats”.
 
Liebe Gäste, Sie alle sollten zu „Botschaftern ehrenhalber“ ernannt werden. Botschafter ehrenhalber - sehr treffend formuliert - leider nicht von mir. Der frühere deutsche Außenminister Genscher hat den Begriff geprägt. Inzwischen ist er zum geflügelten Wort für Menschen geworden, die sich mit all ihrer Energie für Städtepartnerschaften einsetzen.
Aus dieser Energie entwickelt sich die Kraft, die wir alle -  Sie und ich -  für den zwischenmenschlichen Klimaschutz brauchen.
In diesem Sinne, meine Damen und Herren:
Gefährden Sie weiter mit all ihrer Kraft meinen Arbeitsplatz!

Ich danke Ihnen!

 

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