Consul General
Digital Campaign Conference Remarks
Generalkonsul Eric Nelson
München, 7. Oktober 2008
Es gilt das gesprochene Wort
Herr Dr. Grotzky,
liebe Gäste:
Als Diplomat will ich immer eine Botschaft rüberbringen.
Als medienbewusster Diplomat steht mir die ganze digitale Welt offen.
Ich habe die Qual der Wahl.
Wie erreiche ich mein Gegenüber heutzutage am besten?
Per SMS
Per Podcast oder
Per Video-Botschaft?
Ich dachte mir:
Ich mache heute mal was Postdigitales:
Ich spreche heute in Persona zu Ihnen.
Sozusagen als ganz realer 3D-Avatar.
Ich finde:
Neben der virtuellen Welt darf die reale Welt nicht zu kurz kommen.
Bei aller digitalen Technologie muss es in Bayern doch immer noch ein wenig „menscheln.“
Ich freue mich sehr über Ihr zahlreiches Erscheinen.
Der Bayerische Rundfunk und das Amerika Haus sind heute und morgen unsere Kooperationspartner bei dieser Konferenz.
Dafür sind wir sehr dankbar.
Der enorme Einfluss der neuen Medien auf den Wahlkampf in den USA fasziniert uns alle. Auch deshalb ist das Interesse am amerikanischen Wahlkampf in Europa riesengroß.
Das gilt natürlich auch für Bayern - trotz heftiger politischer und wirtschaftlicher Turbulenzen auch hier.
Die Medien und die Menschen in Bayern beobachten den amerikanischen Wahlkampf mit großer Aufmerksamkeit.
Das freut uns ganz besonders.
Denn daran sieht man mal wieder:
Die bayerisch-amerikanische Partnerschaft kann einfach nichts erschüttern.
Egal, wer in die Staatskanzlei das Sagen hat.
Egal, wer im nächsten Jahr ins Weiße Haus einzieht.
Immer wieder werde ich gefragt:
Wie werden sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen mit einem neuen Präsidenten ändern?
Die klare Antwort lautet: Sie werden sich nicht ändern.
Wieso ich das jetzt schon behaupten kann?
Ganz einfach: Weil unsere Partnerschaft die Erfolgsgeschichte schlechthin der modernen Diplomatie ist.
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland zählen zu den wichtigsten der Welt. Sie stehen für alle Grundvoraussetzungen einer mündigen und tiefverwurzelten bilateralen Partnerschaft.
Die USA und Europa bilden zusammen die größte Wirtschaftsregion der Welt.
Dabei ist die bayerische Wirtschaft der Schrittmacher für ganz Deutschland, der Schrittmacher für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen.
Die USA sind Bayerns wichtigster Handelspartner für Exporte und der zweitwichtigste für Importe.
Űbrigens, die USA sind einer der größten ausländischen Investoren in Bayern.
„But there is always room for improvement“, wie wir sagen.
Oder auf bayrisch:
A bisserl was geht immer.
Gerade im Klimaschutz und in der Energietechnologie lassen sich noch weitere transatlantische Märkte erschließen und ausbauen.
Deshalb hoffen wir auf noch intensivere Zusammenarbeit zwischen Bayern und Amerika “im grünen Bereich.”
Klimaschutz hat auf beiden Seiten des Atlantik höchste Priorität.
Dabei schließen sich Őkonomie und Őkologie keineswegs aus.
Denken Sie daran: Grün ist nicht nur die Farbe des Umweltschutzes. Grün ist auch die Farbe des Dollars.
Auf gut amerikanisch heißt das: „It’s the economy, stupid!“
Das ist übrigens auch in diesem Wahlkampf das Topthema.
Dollars und Euros sind eine Art, den Erfolg einer bilateralen Partnerschaft zu messen.
Viel wichtiger jedoch ist: Hinter den Zahlen stehen Menschen.
Sie alle machen die deutsch-amerikanischen Beziehungen so einzigartig.
In meiner Arbeit sind mir „citizen diplomats“ ganz besonders wichtig. Dabei fasziniert mich vor allem die Bedeutung der neuen Medien für den deutsch-amerikanischen Dialog. Digitale Technologien können heute die transatlantische Kommunikation explosionsartig potenzieren.
Hier nur ein paar Beispiele:
Wir bringen amerikanische Universitätsprofessoren und Experten und stellen deren Vorträge per Webinar ins Netz.
Wir ermöglichen Austauschstudenten, ihre Familie und ihre Freunde per Blog mit auf die Reise nach Amerika zu nehmen.
Die vielen Touristen aus Deutschland und den USA, die über den großen Teich reisen, können sich ab Januar 2009 mit ESTA online anmelden. ESTA ist ein neues Online-Registrierungs-System für USA-Reisende. Als Teil des Programms für visumfreies Reisen erleichtert ESTA die Einreiseformalitäten erheblich. Sie können sich auf unserer homepage und übrigens auch in Wikipedia näher darüber informieren.
Und ESTA erhöht Ihre und unsere Sicherheit. Das ist in unser aller Interesse. Schließlich arbeiten Deutschland und Amerika auch in Sicherheitsfragen sehr eng zusammen. Vor allem die Mithilfe Deutschlands bei der Aufbauarbeit in Afghanistan ist ein wichtiger Meilenstein der Beziehungen unserer beiden Länder. Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit in globalen Sicherheitsfragen wird auch nach den Wahlen in den USA unvermindert fortbestehen.
Meine Damen und Herren: Bei vielen Wahlnachrichten und Informationen im Internet heißt es unten auf der Seite:
„Developing“.
Auf gut Deutsch heißt das:
Bleiben Sie dran! Fortsetzung folgt! Die Geschichte geht weiter.
Ich finde, das passt auch ausgezeichnet auf die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Und das über viele Jahrhunderte,
über viele Regierungschefs
und über viele Wahlen hinweg.
Liebe Gäste, der Wahlprozess in Amerika mag Ihnen verblüffend, verwunderlich oder verwirrend erscheinen. Wir sehen das übrigens -- ganz genauso.
Spannend ist das allemal. In unserer vernetzten, digitalisierten Welt mehr denn je.
Gespannt warten wir, wer das Rennen macht. Einen sicheren Sieger gibt es bereits: die Demokratie 2.0
Entspannt können wir auf die Zeit nach der Wahl blicken. Die bayrisch-amerikanische Partnerschaft wächst und gedeiht.
Heute und morgen haben wir alle die Gelegenheit zum interaktiven Dialog.
Heute und morgen ist die Geburtsstunde der bayrisch-amerikanischen Partnerschaft 2.0
Ich danke Ihnen.


