CONSUL GENERAL
International Symposium: "American Artists in Munich"
at Amerika Haus Munich
Generalkonsul Eric Nelson
München, 9. Oktober 2007
Es gilt das gesprochene Wort
Karl Valentin prägte den unsterblichen Satz:
"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit."
Meine Damen und Herren, liebe Gäste:
Die amerikanischen Künstler, die im neunzehnten Jahrhundert nach Europa kamen, scheuten weder Arbeit noch Mühen.
Sie wollten nach Europa.
Sie wollten in das "alte Europa."
Warum wollten amerikanische Künstler gerade nach München? Warum nicht nach Düsseldorf oder Berlin?
"Ja mei", würden die Münchner selbstbewusst sagen.
München war "in", München war "hip".
Und in München gab es die Wittelsbacher.
Eine wissenschaftlich fundierte Analyse überlasse ich besser den hochrangigen Referenten dieser Konferenz.
Mein Dank an die Organisatoren dieses spannenden Symposiums. Mein Dank auch an die Terra Foundation.
Sie widmet sich seit Jahrzehnten einem wunderschönen, völker-verbindenden Gedanken: Amerikanische Kunst soll möglichst viele Menschen in aller Welt erreichen.
Es gibt Erstaunliches zu entdecken in der Münchner Kunstszene des neunzehnten Jahrhunderts. Um 1876 betrug der Ausländeranteil der Studierenden an der Münchner Kunstakademie 60 Prozent. Das zeigt, dass München schon früh ein Zentrum der Globalisierung war.
Auffallend viele der amerikanischen Studenten kamen aus Cincinnati - lange, bevor Cincinnati und München Partnerstädte wurden.
Künstler und Kunststudenten waren neugierig.
Sie wollten voneinander lernen.
Sie wollten andere Kulturen kennen lernen.
Der künstlerische Dialog zwischen Europa und Amerika war auch keine Einbahnstraße. München war damals ein wichtiges Zentrum für künstlerische Zugvögel.
Ein berühmtes Beispiel ist Gabriele Münter.
Sie erforschte die Neue Welt mit dem Fotoapparat und brachte faszinierende Aufnahmen aus Amerika mit - besonders aus meinem Heimatstaat Texas.
Vor einigen Monaten waren sie hier im Lenbachhaus zu bewundern.
Die künstlerische Nabelschnur zwischen Europa und Amerika riss auch im 20. Jahrhundert nicht ab.
Die Pinakothek der Moderne schlägt mit ihrem Modellprogramm „Patrons of the Pinakothek“ eine Brücke der Verständigung zwischen Europa und Amerika ins 21. Jahrhundert.
Sie bringt hervorragende amerikanische Kunst nach München.
Auch die Robert Motherwell-Sammlung hat in der Pinakothek ein endgültiges Zuhause gefunden.
Schön und gut, werden Sie jetzt sagen.
Aber was hat eigentlich ein amerikanischer Generalkonsul mit Kunst zu tun?
Sehr viel, kann ich darauf nur antworten.
Die auswärtige Kulturpolitik ist fester Bestandteil unserer Außenpolitik.
Schon Präsident Kennedy unterstrich das mit folgenden Worten:
"We must never forget that art is not a form of propaganda... In free society art is not a weapon and it does not belong to the spheres of polemic and ideology."
Seit dem Jahr 2001 haben wir die finanziellen Mittel für auswärtige Kulturpolitik verdreifacht.
Damit wollen wir eine Investition in die Zukunft signalisieren.
Damit wollen wir zu einem friedlichen Zusammenleben in der Welt beitragen.
Karen Hughes, Staatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, beschreibt es so:
"The arts, visual and performing, express the full range of our human experience - and remind us that despite differences of language or race, politics or policy, our human experience is a shared one.
The arts resonate in the hearts and souls of people everywhere - all ages, all education levels, across all national borders… Reaching out to people of other nations through American art, sharing the art and artists of other countries with Americans, embodies the spirit of respect and partnership that is the heart of public diplomacy."
Jetzt, da Washington zu Wort gekommen ist, darf mein Texas nicht fehlen.
Debbie Graves Ratcliffe von der Texas Education Agency erwähnte einmal, dass wir Diplomaten sehr viel von den Farbstiften, die Künstler benützen, lernen können:
"You can learn a lot from crayons. Some are sharp, some are pretty, some are dull, some have weird names, and they’re all different colors, but they all learn how to live well together in the same box."
Meine Damen und Herren, die Lage des Amerika Hauses - inmitten der Museumsmeile - könnte nicht besser sein für Gespräche von und über Kunst. Zusammen mit anderen Partnerorganisationen unterstützen wir das Amerika Haus als wichtigen Begegnungspunkt für Veranstaltungen und Ausstellungen dieser Art.
Übrigens: das Amerika Haus ist auch ohne Transrapid nur "10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt."
Ich danke Ihnen.


