CONSUL GENERAL
Iftaar dinner für Alumni der US-Regierung
Generalkonsul Eric Nelson
Penzberg, 25.September 2007
Es gilt das gesprochene Wort
Guten Abend, liebe Freunde,
Guten Abend, liebe Alumni.
Mein besonderer Dank geht an die Gastgeber des heutigen Abends: Imam Benjamin Idriz sowie Herrn und Frau Yerli.
Wir freuen uns sehr über Ihre herzliche Gastfreundschaft. Vielen Dank für diese ganz besondere Gelegenheit eines gemeinsamen Abendessens hier in dieser wunderschönen Moschee. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch mehr über den Ramadan und den Islam erfahren.
Wie sehr wir Ihre Einladung schätzen, sehen Sie daran, dass viele Mitarbeiter des Konsulats heute hier sind:
Patricia Guy, die Konsulin für Öffentlichkeitsarbeit,
Tom Kelsey, Konsul aus der Politischen Abteilung,
Isabella Cascarano, die Konsulin für Handelsangelegenheiten, Dianna Chianis, Vizekonsulin aus der Passabteilung,
Nina Gartz und Thomas Schaller aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit sowie
Peter Claussen, Kulturattaché der Amerikanischen Botschaft in Berlin.
Sie haben heute auch Alumni eingeladen, die an Austauschprogrammen der US-Regierung teilgenommen haben.
Wir vom US-Konsulat sind sehr daran interessiert, das Netzwerk unserer Alumni weiter auszubauen. Begegnungen wie diese bieten uns eine gute Gelegenheit, unseren Wissens-, Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu vertiefen. Unser gemeinsames Abendessen war bereits seit Monaten geplant. Die jüngsten Ereignisse lassen den Zeitpunkt unserer Gespräche heute jedoch ganz besonders passend erscheinen.
Die Ereignisse der letzten Wochen veranlassen mich, drei Punkte anzusprechen, die mir besonders am Herzen liegen:
• Erstens: Wir dürfen unbegründete Ängste vor Anhängern des islamischen Glaubens nicht mit realen Bedrohungen durch Terroristen gleichsetzen.
• Zweitens: Bei Diskussionen und Debatten müssen wir uns stets um Transparenz bemühen. Wir müssen unsere Ziele, unsere Ängste offen zur Sprache bringen und unsere Vorurteile überdenken.
• Drittens: Oberste Prioriät bei unseren Dialogen haben Akzeptanz und Toleranz.
Lassen Sie mich mit dem letzten Punkt – der Toleranz – beginnen. Amerika wurde von Menschen gegründet, die in ihrer neuen Heimat Religionsfreiheit suchten. Religionsfreiheit ohne staatliche Einmischung ist ein Grundpfeiler des amerikanischen Staates. Dieses Jahr feierte das Islamische Zentrum in Washington, D.C. sein 50-jähriges Bestehen. Präsident Bush erinnerte dabei an die Worte Präsident Eisenhowers vor 50 Jahren. Damals sagte Eisenhower:
“Ich versichere Ihnen, meine islamischen Freunde, dass dieses Zentrum, dieser Ort des Gebets - gemäß der amerikanischen Verfassung, der amerikanischen Tradition und den Herzen der Amerikaner - genauso willkommen ist wie das Gebäude jeder anderen Religion. In der Tat würde Amerika mit aller Macht für das Recht kämpfen, dass jeder sein eigenes Gotteshaus gemäß seiner Überzeugung erhält. Dieses Prinzip ist untrennbar mit den Idealen Amerikas verbunden. Ohne dieses Prinzip wäre Amerika nicht das, was es heute ist.“ Zitat Ende
Präsident Bush ergänzte diese Aussage mit dem Hinweis, dass das Islamische Zentrum nur einen Katzensprung entfernt sei
von einer Synagoge,
von einer lutherischen Kirche,
von einem katholischen Gotteshaus
und von einer griechisch-orthodoxen Gemeinde.
Toleranz zu praktizieren, ist der erste Schritt.
Akzeptanz zu leben, ist der nächste Schritt.
Akzeptanz braucht Dialog – einen offenen, ehrlichen Dialog.
Wir müssen im Gespräch mit unseren Nachbarn lernen, unsere Ignoranz und unsere Vorurteile zu erkennen.
Daran müssen wir alle noch arbeiten.
Imam Idriz: Sie führen – in Penzberg und ganz Bayern – Gespräche über die Ausbildung von Imamen in der Sprache ihres Gastlandes. Diese Gespräche sind Teil eines umfangreicheren Dialogs, der gerade in ganz Europa stattfindet. Länder wie Spanien, Frankreich und Großbritannien beschäftigen sich mit ähnlichen Fragestellungen. In den Vereinigten Staaten diskutieren wir diese wichtigen Themen mit der jüngeren Generation in unserer gemeinsamen Sprache Englisch. Diskussionen in der Sprache der zukünftigen Generation zu führen – ob nun Deutsch, Spanisch oder Französich –, ist der Schlüssel zum Erfolg.
Die aktuellen Dialoge finden vor dem Hintergrund des Kampfes gegen den Extremismus statt. Behörden auf allen Ebenen arbeiten daran, uns vor diesen Bedrohungen zu beschützen. Dabei sind leider Konflikte und Missverständnisse unvermeidbar. Sie dürfen jedoch nicht in einer Ablehnung des Islam münden. Der amerikanische Botschafter Timken sagte Anfang dieses Monats bei einem Besuch der neuen Moschee in Duisburg:
„In unserem Kampf gegen Extremisten bekämpfen wir nicht Muslime, sondern Terroristen, die den Islam missbrauchen.” Zitat Ende.
Nicht-Muslime müssen zwischen friedvollen Anhängern des Islam und Extremisten unterscheiden.
Muslime müssen sich eindeutig von jenen in ihrer Mitte distanzieren, die ihre Religion missbrauchen.
Lieber Imam Idriz:
Sie haben stets auf Transparenz gesetzt.
Sie haben Ihre Nachbarn immer willkommen geheißen.
Sie haben unbeirrt den Dialog fortgeführt.
Sie haben Misstrauen überwunden und Verständnis gefördert.
Letztes Jahr habe ich das Islamische Forum zum ersten Mal besucht. Ich war beeindruckt von der erfolgreichen Integration der Islamischen Gemeinde hier in Penzberg. Die Penzberger mit ihrem Bürgermeister Mummert mussten einen weiten Weg zurücklegen. Damals wie heute funktioniert das nur mit Transparenz, Toleranz und Geduld. Zu verdanken haben wir das der Islamischen Gemeinde, allen Nachbarn und den Partner-Organisationen. Die Herausforderung für uns alle besteht nun darin, den Erfolg in anderen Stadtvierteln,
in anderen Städten,
in anderen Nationen zu wiederholen.
Übrigens, hier ist Produkt-Piraterie nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


